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Abtei Tholey stellt Albert Weisgerber aus

Sonderausstellung „Das religiöse Bild“ im ehemaligen Kapitelsaal vom 27. Juni bis 9. Oktober 2022

Die Abtei Tholey ist heute ein besonderer Ort zwischen Andacht und Kunst. International bekannt wurde das älteste Kloster auf deutschem Boden in jüngster Vergangenheit vor allem durch die Chorfenster der frisch renovierten frühgotischen Abteikirche, die der weltweit bekannte Gegenwartskünstler Gerhard Richter gestiftet hat. Zu sehen sind zudem beeindruckende Glasfenster der afghanischen Künstlerin Mahbuba Elham Maqsoodi. Eine Ausstellung im ehemaligen Kapitelsaal der Abtei Tholey richtet nun bis zum 9. Oktober 2022  den Blick auf das religiöse Bild im Werk des bedeutenden Malers. Die gezeigten Werke stammen aus der Albert-Weisgerber-Sammlung in St Ingbert.

„Die Stadt St. Ingbert kann sich glücklich schätzen, mit de Kapitelsaal in der Abtei Tholey einen geschichtsträchtigen und würdevollen Ort für die Werke Weisgerbers gefunden zu haben. Diese Sonderausstellung seiner religiösen Kunstwerke hätte keinen besseren Platz finden können und ist ein Muss für jeden Kunstliebhaer“, freut sich Oberbürgermeister Prof. Dr. Ulli Meyer , der den St. Ingberter Bürgerinnen und Bürgern einen Besuch der Ausstellung unbedingt empfiehlt.

Sebastian mit blauem Tuch​, 1913

Original-Foto von Albert Weisgerber bei St. Ingberter Familie aufgetaucht

Im November 2021 hatte die Albert-Weisgerber-Stiftung auf einer Auktion zwei Briefe sowie einen Fotoabzug von Albert Weisgerber (1878 – 1915) und seinen St. Ingberter Freunden erworben. Das Foto ist ein vom St. Ingberter Unternehmer und Kunstsammler Franz Josef Kohl-Weigand angefertigter Abzug aus den 1960er Jahren. Es zeigt Weisgerber und fünf namentlich bekannte Freunde aus St. Ingbert in lustiger Runde. Ein guter Hinweis darauf, dass der Künstler zu seinen St. Ingberter Jugendfreunden besten Kontakt gehalten hat, denn es wurde um 1900 beim Fotografen Zeiger in St. Ingbert aufgenommen.

St. Ingberter Familie findet Original-Foto von Weisgerber

Den Zeitungsbericht über diese Errungenschaft lasen die Eheleute Annemarie und Norbert Müller aus St. Ingbert – und hatten ein Déjà-vu. Ein Blick in das aufgearbeitete Ahnenbuch gab Ihnen Recht: Sie waren im Besitz des Originalfotos sowie eines weiteren Fotos von Weisgerber und seinen Freunden.

Annemarie Müller hat die alten Fotos und Dokumente ihrer Vorfahren und der Vorfahren ihres Mannes sortiert, eingeklebt und, sofern möglich, beschriftet. Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, stößt auch immer auf neue Fragen. So haben sich die Müllers mehr und mehr für die Geschichte und die Menschen in Ihrer Familie interessiert. Sie forschen, lesen und fragen und treffen dabei immer wieder auf neue, teils entfernte Verwandte, zu denen sie auch gern Kontakt aufnehmen. „Die Vergangenheit ist höchst spannend, aber am meisten Spaß macht es, die lebenden Nachkommen kennenzulernen“, erzählt Annemarie Müller.

Das vermutlich bei einem Besuch Weisgerbers in St. Ingbert aufgenommene Foto zeigt Albert Weisgerber und seine St. Ingberter Freunde Richard Schlaudecker, Bernhard Hagenbucher, Hans Gries, Bernhard Fritz und Johann (Hans) Hellenthal in fröhlicher Runde. Auf dem zweiten Foto sind die gleichen Freunde auf einer Leiter vor identischem Hintergrund aufgenommen, sodass sich vermuten lässt, dass es am selben Tag entstanden ist. Die jungen, damals um die 20 Jahre alten Männer sind lässig gekleidet und scheinen das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Weisgerber und Hellenthal – Freunde in München

Doch welcher Zusammenhang besteht nun zwischen Albert Weisgerber und der Familie Müller? Ein auf dem Foto zu erkennender Freund Weisgerbers ist Hans (vollständiger Name: Johann) Hellenthal. Er war ein Bruder von Alexandrina Hellenthal, der Großmutter von Norbert Müller. Die Familie Hellenthal stammt aus dem Ort „Hellenthal“ in der Eifel (im Schleidener Tal, Kreis Euskirchen). Dort besaß auch die Familie der Gräfin Marianne von der Leyen Ländereien und warb im 17. Jahrhundert die Einheimischen als Siedler nach St. Ingbert bzw. Blieskastel an. Die Familie des Severin Hellenthal wagte den mutigen Schritt und ließ sich in St. Ingbert nieder. Einer ihrer Nachkommen, Johann Josef Hellenthal (1844 – 1907), gründete eine Familie mit 10 Kindern. Eines davon war Alexandrina (die Großmutter von Norbert Müller) und eines Johann (sein Großonkel). Johann (Hans genannt) war, wie das Foto zeigt, offenbar ein fideler junger Mann, der etwa zeitgleich mit seinem Freund Weisgerber nach München ging, um dort Jura zu studieren. Weiterhin ist bekannt, dass er Regierungsrat wurde. Möglicherweise schlug er eine Karriere bei der Bahn ein, was allerdings nicht belegt ist. In einem späteren Schreiben wurde er als Professor Johann Hellenthal bezeichnet, weshalb sich vermuten lässt, dass er auch einer Lehrtätigkeit nachgegangen ist.

Schenkung an die Weisgerber-Stiftung

Annemarie und Norbert Müller interessieren sich nicht nur für ihre eigene Familiengeschichte, sondern auch für die Kunst. So sind sie bereits mehrfach unter der Leitung der Kunsthistorikerin und Kuratorin der Albert-Weisgerber-Stiftung Ingbert Andrea Fischer zu Ausstellungen der Werke des Künstlers und zu seinem Grab in München gereist. „Wir sind waschechte St. Ingberter, daher ist die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen für uns unglaublich spannend“, schwärmt Norbert Müller. „Auf den Reisen haben wir zudem viele nette Menschen kennengelernt und sehr viel Neues gelernt.“

Nach Rücksprache mit ihren Kindern haben sich die Müllers entschlossen, die beiden Fotos der Albert-Weisgerber-Stiftung zu schenken. „Uns genügt ein Abzug im Familienalbum als Erinnerung an den Großonkel“, beteuern die beiden. „Diese Schenkung ist von unschätzbarem Wert für die Stiftung, für die Kunstgeschichte und für die Stadt St. Ingbert“, unterstreicht Andrea Fischer. „Die Originale sind ein wichtiger Beleg für das Leben und Schaffen von Albert Weisgerber und eröffnen uns wieder neue Perspektiven. Daher sind wir Annemarie und Norbert Müller sehr dankbar, dass sie der Stiftung die Original-Fotos aus ihrem Privatbesitz geschenkt haben.“ Auch Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer bedankt sich bei den Eheleuten Müller: „Diese uneigennützige Gabe zeigt, wie sehr die Familie Müller und viele St. Ingberter mit ihrer Stadt verbunden sind. Herzlichen Dank für dieses großartige Geschenk!“

Albert-Weisgerber-Stiftung erwirbt Original-Briefe und privates Foto des Künstlers

Zwei bisher verloren geglaubte Briefe und ein privates Foto des 1878 in St. Ingbert geborenen Künstlers Albert Weisgerber tauchten im September auf einer Auktion in Krefeld auf und wurden von der Albert-Weisgerber-Stiftung erworben. „Die Briefe sind uns von unschätzbarem Wert, weil sie ein beredtes Zeugnis ablegen von dem schillernden Künstlerleben, das Weisgerber und seine Freunde in München geführt haben“, so die Kuratorin der Albert-Weisgerber-Stiftung, Andrea Fischer. Vermutlich stammen sie aus der Sammlung des St. Ingberter Unternehmers und Kunstsammlers Franz-Josef Kohl-Weigand, der den saarpfälzischen Malern Albert Weisgerber, Hans Purrmann und Max Slevogt besondere Aufmerksamkeit widmete.

Nachweis für ausschweifendes Künstlerleben und Interesse an der Avantgarde

Das Foto, vermutlich ein Abzug aus den 1960er Jahren, zeigt Weisgerber und fünf namentlich bekannte Freunde aus St. Ingbert in lustiger Runde. Ein guter Hinweis darauf, dass der Künstler zu seinen St. Ingberter Jugendfreunden besten Kontakt gehalten hat, denn es wurde bei dem Fotografen Zeiger in St. Ingbert aufgenommen, dem Vorgänger des Fotografen Hönemann.

Einer der in deutscher Kurrentschrift verfassten Briefe aus dem Jahr 1902 ist an Rudolf Levy adressiert, einen deutschen Expressionisten und engen Freund Weisgerbers. Zusammen mit dem Pfälzer Hans Purrmann schienen die Künstlerfreunde die Bohème in München wahrlich zu genießen:“… so muß ich vor allem erwähnen, daß wir so gut gestellt sind und uns mindestens jede Woche einmal eine Bowle leisten können. Von Italien Reisen, Gebirgspartien, Isartalausflügen verbunden mit ländlichen Schlemmereien gar nicht zu reden“ (sic). Die Worte dieses Briefes lassen vermuten, dass er in angeheitertem Zustand geschrieben wurde. Zudem enthält der Brief einen Hinweis darauf, dass Weisgerber aus Protest gegen die Ablehnung des etablierten Glaspalastes auch Plakate ausstellen zu dürfen, dem traditionellen Ausstellungsort den Rücken kehrte und in der „Phalanx“  ausgestellt hat. Hierbei handelt es sich um eine von Wassily Kandinsky gegründete avantgardistische Münchner Künstlergruppe, ein weiterer Beleg dafür, dass Weisgerber ein sehr fortschrittlicher Künstler und der Avantgarde-Bewegng gegenüber offen war. 

Im zweiten deutlich kürzeren Brief aus dem Jahr 1901, bestätigt der Künstler den Empfang einer Geldsumme von Hermann Kahn, Mäzen und Förderer von Weisgerber aus St. Ingbert, der offenbar ein Bild von ihm erworben hatte. Auch dies ein Hinweis darauf, dass der dem turbulenten Künstlerleben Münchens sehr zugetane Weisgerber den Kontakt zu seiner Heimatstadt nicht abgebrochen hat. 

„Das ist ein toller Tag für St. Ingbert. Anhand dieser Briefe und des Fotos lernen wir Albert Weisgerber als Menschen näher kennen. Es ist ein kultureller Schatz unserer Stadt“, freut sich Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer.